Lexikon
Keimruhe
Keimruhe bezeichnet einen natürlichen Ruhezustand von Samen, bei dem sie trotz vorhandener Lebensfähigkeit zunächst nicht keimen. Dieser Mechanismus verhindert, dass ein Keimling zu einem ungünstigen Zeitpunkt wächst, etwa während einer Trockenperiode, vor einem Wintereinbruch oder unter anderen ungeeigneten Umweltbedingungen.
Die Keimruhe ist ein wichtiger Schutzmechanismus vieler Pflanzenarten. Sie sorgt dafür, dass die Keimung erst dann erfolgt, wenn Faktoren wie Feuchtigkeit, Temperatur, Licht und Bodenverhältnisse günstige Bedingungen für das weitere Wachstum bieten.
Ursachen für die Keimruhe können eine harte Samenschale, keimhemmende Stoffe im Samen oder ein noch nicht vollständig entwickelter Embryo sein. Auch pflanzliche Hormone spielen eine wichtige Rolle bei der Steuerung dieses Zustands.
Man unterscheidet zwischen primärer und sekundärer Keimruhe. Die primäre Keimruhe ist bereits bei der Samenreife vorhanden und gehört zur natürlichen Entwicklung der Pflanze. Eine sekundäre Keimruhe kann später entstehen, wenn ein bereits keimfähiger Samen ungünstigen Umweltbedingungen ausgesetzt wird.
Viele Wildpflanzen besitzen eine ausgeprägte Keimruhe, während sie bei Kulturpflanzen oft durch Züchtung reduziert wurde, um eine gleichmäßige und planbare Keimung zu ermöglichen. Bei manchen Arten kann die Keimruhe durch spezielle Vorbehandlungen wie Stratifikation (Kältebehandlung) oder Skarifikation (Anritzen der Samenschale) aufgehoben werden.
Für Gärtnerinnen und Gärtner ist die Keimruhe vor allem dann relevant, wenn Saatgut trotz guter Keimfähigkeit nur verzögert oder ungleichmäßig aufläuft. Das Verständnis dieser natürlichen Keimhemmung hilft dabei, Aussaaten erfolgreicher zu planen und die passenden Vorbehandlungen anzuwenden.