Engelstrompeten Samen - duftende Blütenriesen aus den Anden
Kaum eine andere Pflanzengattung verbindet eine derart eindrucksvolle Blütenpracht mit einer so vielschichtigen Kulturgeschichte wie die Engelstrompeten. Brugmansia sind mehrjährige, verholzende Sträucher oder kleine Bäume aus Südamerika, deren große, hängende Trompetenblüten je nach Art weiß, gelb, orange, apricot, rosa oder rot gefärbt sein können. Viele Arten verströmen besonders in den Abendstunden einen intensiven Duft. Wer Engelstrompeten Samen aussät, zieht damit nicht nur außergewöhnliche Kübelpflanzen heran, sondern begegnet zugleich einer Pflanzengattung, die seit Jahrhunderten eng mit der Geschichte und den Traditionen Südamerikas verbunden ist.
weiterlesen
Brugmansia - sieben Arten aus Südamerika
Die Gattung Brugmansia gehört zur Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae) und umfasst sieben anerkannte Arten. Ihre ursprüngliche Heimat liegt in Südamerika, insbesondere in den Andenregionen von Venezuela, Kolumbien, Ecuador, Peru, Bolivien und Chile. Eine Ausnahme innerhalb der Gattung bildet Brugmansia suaveolens, deren natürliche Herkunft im atlantischen Küstenregenwald Brasiliens liegt.
Die einzelnen Brugmansia Arten unterscheiden sich deutlich in Blütenfarbe, Duft, Wuchs und ihren klimatischen Ansprüchen. Während die Baum-Engelstrompete Brugmansia arborea aus höheren Andenlagen stammt und meist weiße Blüten trägt, fällt Brugmansia sanguinea durch orange bis rote, kaum duftende Blüten auf. Brugmansia suaveolens ist dagegen für ihre großen, meist hellen und intensiv duftenden Blüten bekannt. Besonders beeindruckend ist Brugmansia versicolor, deren Blütentrichter eine Länge von bis zu etwa 50 cm erreichen können.
Neben den Wildarten existieren natürliche Hybriden und zahlreiche Züchtungen. Dadurch ist im Laufe der Zeit eine außergewöhnliche Vielfalt an Engelstrompeten mit einfachen oder gefüllten Blüten sowie unterschiedlichsten Farbverläufen entstanden.
Engelstrompete und Stechapfel - ähnlich, aber nicht dasselbe
Engelstrompeten wurden botanisch lange gemeinsam mit den Stechäpfeln der Gattung Datura geführt. Tatsächlich sind beide Gattungen eng miteinander verwandt und gehören innerhalb der Nachtschattengewächse zum Tribus Datureae. Dennoch lassen sie sich gut unterscheiden.
Brugmansia wachsen mehrjährig als verholzende Sträucher oder kleine Bäume. Ihre großen Blüten hängen meist deutlich nach unten, und ihre Früchte besitzen keine stachelige Oberfläche. Datura Arten wachsen dagegen überwiegend krautig und häufig einjährig. Ihre Blüten stehen meist aufrecht, während die Früchte vieler Arten auffällig bestachelt sind. Diese Unterschiede führten schließlich zur botanischen Trennung beider Gattungen.
Eine Pflanzengattung mit langer ethnobotanischer Tradition
In ihrer südamerikanischen Heimat besitzen Engelstrompeten eine weit über ihren Zierwert hinausgehende Bedeutung. Verschiedene Brugmansia Arten sind seit langer Zeit Bestandteil indigener Pflanzenkunde und kultureller Traditionen. Besonders aus den Anden und dem westlichen Amazonasgebiet sind historische und ethnobotanische Berichte über eine rituelle Nutzung überliefert.
Engelstrompeten wurden dabei mit spirituellen Vorstellungen, Divination, Heiltraditionen und zeremoniellen Zusammenhängen verbunden. Ihre Bedeutung unterscheidet sich je nach Region und indigener Kultur deutlich. Diese lange Geschichte macht Brugmansia heute zu einer besonders interessanten Gattung innerhalb der ethnobotanischen Pflanzen.
Seit dem frühen 19. Jahrhundert gelangten Engelstrompeten auch verstärkt in europäische botanische Gärten und Sammlungen. Wegen ihrer spektakulären Blüten entwickelten sie sich schnell zu begehrten Zierpflanzen. Später entstanden besonders in Europa und Nordamerika zahlreiche Hybriden und Sorten, wodurch sich die ursprüngliche Vielfalt der südamerikanischen Wildarten um eine umfangreiche Gartenkultur ergänzte.
Schönheit mit einer hochgiftigen Seite
So eindrucksvoll Engelstrompeten erscheinen, so wichtig ist ein verantwortungsvoller Umgang mit ihnen. Alle Pflanzenteile von Brugmansia sind hochgiftig. Sie enthalten Tropanalkaloide wie Scopolamin, Hyoscyamin und Atropin. Diese Inhaltsstoffe können bereits in vergleichsweise kleinen Mengen schwere Vergiftungen verursachen.
Brugmansia sollten deshalb ausschließlich als botanisch und gärtnerisch interessante Pflanzen betrachtet und außerhalb der Reichweite von Kindern und Haustieren kultiviert werden. Ihre ethnobotanische Vergangenheit ist ein bedeutender Teil ihrer Kulturgeschichte, stellt jedoch keine Empfehlung für eine Anwendung oder Einnahme dar.
Engelstrompeten aussäen und kultivieren
Engelstrompeten lassen sich aus Samen heranziehen und entwickeln sich mit der Zeit zu kräftigen, verholzenden Kübelpflanzen. Für die Aussaat von Brugmansia Samen eignet sich besonders das Frühjahr. Da die Pflanzen wärmeliebend und frostempfindlich sind, erfolgt die Anzucht unter mitteleuropäischen Bedingungen am besten geschützt im Haus oder Gewächshaus.
Engelstrompete aus Samen ziehen
Für die Aussaat werden die Samen in ein lockeres, gut durchlässiges Aussaatsubstrat gegeben und gleichmäßig feucht gehalten. Eine warme und geschützte Umgebung unterstützt die Keimung. Die Royal Horticultural Society empfiehlt für die Aussaat im Frühjahr etwa 16 °C und weist darauf hin, dass zusätzliche Bodenwärme die Keimung beschleunigen kann. Jungpflanzen sollten hell stehen, aber zunächst vor extremer Hitze und starker Mittagssonne geschützt werden.
Bei der Anzucht aus Samen ist etwas Geduld gefragt. Sämlinge müssen zunächst eine ausreichend entwickelte Verzweigungszone bilden, bevor sie ihre ersten Blüten hervorbringen können. Bis zur ersten Blüte kann deshalb deutlich mehr Zeit vergehen als bei vegetativ vermehrten Pflanzen.
Standort und Pflege von Brugmansia
Engelstrompeten entwickeln während der Vegetationsperiode viel Blattmasse und große Blüten. Entsprechend hoch ist ihr Bedarf an Wasser und Nährstoffen. Ein großer, standfester Kübel mit nährstoffreichem und zugleich gut durchlässigem Substrat bietet gute Voraussetzungen für ein kräftiges Wachstum. Der Standort sollte hell, warm und windgeschützt sein. Je nach Art und Klima werden sonnige bis leicht halbschattige Plätze gut vertragen.
Während der Wachstumszeit sollte das Substrat nicht vollständig austrocknen. Gleichzeitig ist dauerhafte Staunässe zu vermeiden. Durch ihr schnelles Wachstum und die große Blattoberfläche können Engelstrompeten an warmen Sommertagen einen erheblichen Wasserbedarf entwickeln.
Engelstrompeten frostfrei überwintern
Brugmansia stammen aus frostfreien bis nur sehr milden Regionen Südamerikas und sind bei uns nicht zuverlässig winterhart. Kübelpflanzen müssen deshalb vor stärkerer Kälte geschützt und rechtzeitig in ein frostfreies Winterquartier gebracht werden. Viele Engelstrompeten können entweder hell und vergleichsweise warm weiterkultiviert oder kühler mit deutlich reduziertem Wachstum überwintert werden.
Während der Winterruhe wird wesentlich sparsamer gegossen. Sobald im Frühjahr die Temperaturen wieder dauerhaft steigen, können die Pflanzen schrittweise an das Freiland gewöhnt werden. Ein plötzlicher Wechsel aus dem Winterquartier in intensive Sonne kann die Blätter schädigen.
Vorsicht beim Umgang mit Engelstrompeten
Alle Pflanzenteile der Engelstrompete sind giftig. Auch bei Aussaat, Umtopfen, Rückschnitt und anderen Pflegearbeiten sollte deshalb bewusst mit den Pflanzen umgegangen werden. Besonders Schnittsaft und Pflanzenteile sollten nicht mit Augen oder Mund in Kontakt kommen. Bei umfangreicheren Pflegearbeiten sind Handschuhe sinnvoll. Kinder und Haustiere sollten keinen Zugang zu Samen oder Pflanzenteilen haben.
Häufige Fragen zu Engelstrompeten und Brugmansia Samen
Kann man Engelstrompeten aus Samen ziehen?
Ja. Brugmansia können aus Samen herangezogen werden. Die Sämlinge entwickeln sich zunächst zu kräftigen Jungpflanzen und später zu verholzenden Sträuchern oder kleinen Bäumen. Bis zur ersten Blüte kann mehr als eine Vegetationsperiode vergehen.
Wann sollte man Engelstrompeten Samen aussäen?
Das Frühjahr eignet sich besonders gut für die Aussaat, da die Jungpflanzen anschließend eine lange Wachstumsperiode vor sich haben. Unter geschützten Bedingungen ist eine Anzucht grundsätzlich auch zu anderen Zeiten möglich, wenn ausreichend Wärme und Licht vorhanden sind.
Wie warm müssen Brugmansia Samen zur Keimung stehen?
Brugmansia Samen benötigen für die Keimung eine warme Umgebung. Für die Frühjahrsaussaat werden etwa 16 °C als Ausgangspunkt empfohlen. Eine gleichmäßige zusätzliche Bodenwärme kann die Keimung unterstützen und beschleunigen.
Wie schnell keimen Engelstrompeten Samen?
Die Keimdauer kann bei Brugmansia schwanken und hängt unter anderem von Art, Saatgut und Bedingungen während der Aussaat ab. Gleichmäßige Feuchtigkeit und Wärme sind wichtiger als eine möglichst schnelle Keimung. Das Aussaatsubstrat sollte deshalb nicht vorzeitig aufgegeben oder austrocknen gelassen werden.
Wann blüht eine Engelstrompete aus Samen?
Aus Samen gezogene Engelstrompeten blühen meist nicht unmittelbar im ersten Entwicklungsstadium. Brugmansia bilden zunächst einen aufrechten Haupttrieb und später eine charakteristische Verzweigung. Blüten entstehen erst an ausreichend entwickelten Trieben oberhalb dieser Verzweigungszone. Bis zur ersten Blüte kann daher ein Jahr oder länger vergehen.
Sind Engelstrompeten winterhart?
Nein, für die Kultur in Deutschland, Österreich und der Schweiz sollten Engelstrompeten grundsätzlich als frostempfindliche Kübelpflanzen behandelt werden. Sie werden vor der kalten Jahreszeit in ein frostfreies Winterquartier gebracht und im Frühjahr wieder langsam an die Bedingungen im Freien gewöhnt.
Kann eine Engelstrompete im Garten ausgepflanzt werden?
Während der warmen Jahreszeit können Engelstrompeten an einem geschützten Standort auch im Garten stehen. Für die dauerhafte Freilandkultur sind sie in Mitteleuropa jedoch nicht geeignet. Die Kultur im großen Kübel erleichtert deshalb die frostfreie Überwinterung erheblich.
Was ist der Unterschied zwischen Engelstrompete und Stechapfel?
Engelstrompeten gehören zur Gattung Brugmansia, Stechäpfel zur Gattung Datura. Brugmansia sind mehrjährige, verholzende Sträucher oder kleine Bäume mit überwiegend herabhängenden Blüten und unbestachelten Früchten. Datura Arten wachsen meist krautig, ihre Blüten stehen typischerweise aufrecht und viele Arten bilden auffällig stachelige Kapselfrüchte.
Sind Engelstrompeten giftig?
Ja. Alle Pflanzenteile von Brugmansia einschließlich der Samen sind giftig. Sie enthalten unter anderem Tropanalkaloide wie Scopolamin, Hyoscyamin und Atropin. Engelstrompeten sollten deshalb ausschließlich als Zier- und Sammlerpflanzen kultiviert und außerhalb der Reichweite von Kindern und Haustieren aufbewahrt werden.
Warum duften Engelstrompeten besonders am Abend?
Viele Brugmansia Arten verstärken ihren Duft in den Abend- und Nachtstunden. Dieser intensive Blütenduft steht mit ihrer Bestäubungsbiologie in Verbindung und lockt unter anderem nachtaktive Bestäuber an. Nicht alle Arten duften jedoch gleich stark. Brugmansia sanguinea beispielsweise besitzt deutlich weniger ausgeprägte Duftblüten als viele andere Engelstrompeten.