Invasive Arten verstehen: Was Neophyten mit unserem Garten zu tun haben

Magicgardenseeds GmbH 2023
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Manche Pflanzen kommen leise. Ein paar Samen reisen in einer Tüte Erde mit, ein Wurzelstück bleibt am Gartengerät hängen oder eine Zierpflanze sät sich jenseits des Gartenzauns aus. Viele dieser Neuankömmlinge verschwinden nach kurzer Zeit wieder. Andere werden zu selbstverständlichen Begleitern unserer Kulturlandschaft. Und einige wenige breiten sich so stark aus, dass sie heimische Arten und Lebensräume gefährden können.

Doch wann ist eine Pflanze einfach nur neu? Wann gilt sie als gebietsfremd – und wann als invasiv?

Zum Auftakt unseres Monatsthemas schauen wir genauer hin. Denn achtsames Gärtnern beginnt nicht mit Angst vor unbekannten Pflanzen, sondern mit Wissen, Beobachtung und einem Gespür für Zusammenhänge.

Was sind gebietsfremde Arten?

Als gebietsfremd werden Arten bezeichnet, die durch menschliches Handeln in ein Gebiet gelangt sind, das sie aus eigener Kraft vermutlich nicht erreicht hätten. Das kann absichtlich geschehen sein, etwa durch Landwirtschaft, Gartenbau oder die Einführung von Zierpflanzen. Viele Arten wurden aber auch unbeabsichtigt über Handelswaren, Erde, Fahrzeuge oder andere Transportwege eingeschleppt.

Für die zeitliche Einordnung verwenden Fachleute häufig das Jahr 1492. Pflanzen, die nach diesem Zeitpunkt unter menschlicher Mitwirkung in ein neues Gebiet gelangten, werden als Neophyten bezeichnet. Gebietsfremde Tierarten heißen entsprechend Neozoen. Beide Gruppen gehören gemeinsam mit anderen Organismen zu den sogenannten Neobiota.

Pflanzen, die bereits vor 1492 durch den Menschen verbreitet wurden, nennt man Archäophyten. Zu ihnen zählen viele Arten, die wir heute längst als Teil unserer traditionellen Kulturlandschaft wahrnehmen.

Diese Begriffe sagen zunächst nur etwas über Herkunft und Einwanderungszeit aus. Sie sind keine Bewertung.

Gebietsfremd bedeutet nicht automatisch invasiv

Das ist vermutlich die wichtigste Botschaft des gesamten Monatsthemas:

Nicht jede gebietsfremde Pflanze ist invasiv.

Viele eingeführte Pflanzen können sich außerhalb von Gärten und Anbauflächen überhaupt nicht dauerhaft halten. Andere verwildern gelegentlich, ohne dabei erkennbare Schäden zu verursachen. Manche fügen sich über lange Zeit in bestehende Lebensgemeinschaften ein.

Als invasiv gilt eine gebietsfremde Art erst dann, wenn ihre Ausbreitung die biologische Vielfalt gefährdet. Das kann beispielsweise geschehen, wenn sie heimische Pflanzen verdrängt, Lebensräume stark verändert oder Nahrungsketten beeinflusst.

Das Bundesamt für Naturschutz bewertet gegenwärtig 46 Neophyten in Deutschland als invasiv. Diese Zahl ist klein im Vergleich zu den vielen Pflanzenarten, die über Jahrhunderte eingeführt, angebaut oder unbeabsichtigt verschleppt wurden. Quelle: Bundesamt für Naturschutz

Entscheidend ist also nicht allein die Frage: „Woher stammt diese Pflanze?“ Viel wichtiger ist:

  • Wie verhält sie sich am neuen Standort?
  • Wie schnell und auf welchen Wegen verbreitet sie sich?
  • Kann sie heimische Arten oder Lebensräume gefährden?
  • Lässt sie sich noch kontrollieren, wenn sie sich etabliert hat?

Warum werden manche Pflanzen invasiv?

Ob eine gebietsfremde Pflanze problematisch wird, hängt von vielen Faktoren ab.

Manche Arten bilden besonders große Mengen an Samen. Andere vermehren sich über Ausläufer, Rhizome, Wurzelstücke, Zwiebeln oder Knollen. Einige wachsen sehr schnell, treiben nach dem Rückschnitt erneut aus oder können dichte Bestände bilden, in denen andere Pflanzen kaum noch Licht und Raum finden.

Doch auch der Standort spielt eine wichtige Rolle. Eine Art kann sich in einer Region völlig unauffällig verhalten und unter anderen klimatischen Bedingungen stark ausbreiten. Offene Böden, gestörte Flächen, Straßenränder, Bahngelände, Flusstäler und städtische Räume bieten vielen Neuankömmlingen günstige Startbedingungen.

In Deutschland liegen wichtige Verbreitungszentren von Neophyten vor allem in Ballungsräumen und großen Flusstälern. Steigende Temperaturen können wärmeliebenden Arten zusätzlich ermöglichen, neue Regionen zu besiedeln oder sich dort dauerhaft zu etablieren. Quelle: Bundesamt für Naturschutz

Darum ist eine Pflanze nicht überall und zu jeder Zeit gleich zu bewerten. Treffender ist der Gedanke:

Eine Pflanze kann am richtigen Ort eine Bereicherung und am falschen Standort ein Problem sein.

Was hat das mit unserem Garten zu tun?

Gärten sind wertvolle Lebensräume. Sie bieten Nahrung, Schutz und Rückzugsorte für zahlreiche Pflanzen und Tiere. Gleichzeitig sind sie Orte, an denen Arten aus vielen Regionen der Welt zusammentreffen.

Das macht Gärtner*innen zu wichtigen Hüter*innen dieser Vielfalt.

Manche Pflanzen gelangen aus Gärten in die Landschaft, weil ihre Samen vom Wind, von Tieren oder über Wasser verbreitet werden. Andere verlassen das Beet über unterirdische Ausläufer. Wurzelstücke, Knollen oder Samen können außerdem über Gartenabfälle, Kompost, Erde, Schuhe und Geräte weitergetragen werden.

Besonders problematisch ist es, Gartenabfälle am Waldrand, auf Brachflächen oder an Gewässern abzulegen. Was wie eine harmlose Form der Entsorgung wirkt, kann einer ausbreitungsstarken Pflanze den Weg in einen neuen Lebensraum öffnen.

Auch Pflanzen aus Teichen und Aquarien gehören niemals in natürliche Gewässer. Einige Wasserpflanzen vermehren sich bereits aus kleinen Pflanzenteilen und können dort dichte Bestände bilden.

Was können wir als Gärtner*innen tun?

Niemand muss nun jede kräftig wachsende Pflanze aus dem Garten verbannen. Auch eine Pflanze, die sich im Beet stark ausbreitet, ist nicht automatisch eine invasive Art im naturschutzfachlichen Sinn.

Ein achtsamer Umgang beginnt vielmehr mit ein paar einfachen Fragen:

  • Wie vermehrt sich die Pflanze?
  • Bildet sie viele Samen oder unterirdische Ausläufer?
  • Kann sie den vorgesehenen Standort verlassen?
  • Grenzt der Garten an ein Gewässer, eine Wiese oder eine andere sensible Fläche?
  • Gibt es regionale Empfehlungen oder gesetzliche Einschränkungen?
  • Kann ich die Pflanze auch in den kommenden Jahren zuverlässig kontrollieren?

Wer eine unbekannte Art entdeckt, sollte sie zunächst sicher bestimmen und nicht vorschnell entfernen. Gerade bei schwer erkennbaren oder gesundheitlich problematischen Pflanzen ist fachlicher Rat sinnvoll. Das Umweltbundesamt empfiehlt ebenfalls, invasive Neophyten im Garten aufmerksam zu beobachten und Bestimmungshilfen zu nutzen. Quelle: Umweltbundesamt

Warum Vorbeugung so wichtig ist

Hat sich eine invasive Pflanze erst großflächig etabliert, lässt sie sich oft nur noch mit erheblichem Aufwand eindämmen. Deshalb setzen Naturschutzmaßnahmen in erster Linie auf Vorbeugung, frühes Erkennen und schnelles Handeln.

Auch die europäische Strategie folgt diesem Grundsatz. Für invasive Arten von unionsweiter Bedeutung gelten abgestufte Maßnahmen: Ihre Einbringung soll verhindert, neue Vorkommen sollen früh erkannt und weit verbreitete Bestände fachgerecht gemanagt werden. Die 2025 aktualisierte EU-Unionsliste umfasst derzeit 114 streng regulierte Arten, darunter 49 Pflanzenarten. Quelle: Europäische Kommission

Nicht jede problematische Gartenpflanze steht allerdings auf dieser Liste. Nationale Bewertungen, regionale Empfehlungen und die konkrete Situation vor Ort bleiben deshalb ebenso wichtig.

Vielfalt braucht Wissen

Magic Garden Seeds steht für die Freude an besonderen Pflanzen, alten Kulturarten und samenfestem Saatgut. Diese Freude und ein verantwortungsvoller Umgang mit Natur sind für uns keine Gegensätze. Im Gegenteil: Je mehr wir über die Pflanzen wissen, die wir aussäen, desto bewusster können wir Vielfalt gestalten.

Dazu gehört auch Transparenz. In unseren Produktbeschreibungen bemühen wir uns deshalb, möglichst nachvollziehbar anzugeben, aus welcher Region oder welchem ursprünglichen Verbreitungsgebiet eine Pflanze stammt, wie sie sich vermehrt und welche besonderen Eigenschaften beim Anbau beachtet werden sollten.

Wenn eine Art unter bestimmten Bedingungen ein starkes Ausbreitungspotenzial entwickeln oder regional problematisch werden kann, weisen wir ausdrücklich darauf hin. Denn eine Pflanze kann an einem Standort unauffällig bleiben, sich an einem anderen jedoch stark ausbreiten. Klima, Boden, Nachbarflächen und die Art der Kultur spielen dabei eine wichtige Rolle.

Solche Hinweise sollen nicht verunsichern, sondern eine bewusste Entscheidung ermöglichen. Wer weiß, ob eine Pflanze viele Samen bildet, sich über Ausläufer, Rhizome, Knollen oder Wurzelstücke verbreitet, kann ihren Standort sorgfältiger wählen und geeignete Vorsichtsmaßnahmen treffen.

Fazit

Uns ist wichtig, Pflanzen weder vorschnell zu verurteilen noch mögliche Risiken zu verschweigen. Eine alte Nutzpflanze kann zugleich ein hohes Ausbreitungspotenzial besitzen. Eine geschätzte Zierpflanze kann in manchen Regionen unproblematisch und in anderen bereits invasiv sein. Deshalb empfehlen wir, zusätzlich zu unseren Angaben immer auch regionale Hinweise, rechtliche Vorgaben und die Bedingungen im eigenen Garten zu berücksichtigen.

In den kommenden Beiträgen schauen wir deshalb genauer hin. Wir verfolgen die Wege, auf denen Pflanzen Gartengrenzen überwinden, stellen konkrete Arten vor und fragen, was „richtige Pflanze am richtigen Ort“ in der Praxis bedeutet.

Denn unser Garten endet ökologisch nicht am Gartenzaun.

Welche Pflanze hat Dich schon einmal mit ihrem Ausbreitungsdrang überrascht? Teile Deine Erfahrung gerne mit uns.